Was is' denn dieses Roller Derby?


Gestern

Quelle: Wikipedia

1935 veranstaltete der Sportpromoter Leo A. Seltzer das erste Roller-Derby-Rennen in Chicago. Inspiriert von den Sechstagerennen skateten die 25 Teams, bestehend aus einer Frau und einem Mann, auf einer ovalen Bahn. Insgesamt mussten die Teams 57.000 Runden fahren. Gewonnen hatte das Team, welches am längsten durchhielt und als letztes noch auf der Bahn stand. Zu jeder Zeit musste sich mindestens ein Mitglied aus jedem Team auf der Bahn befinden, ansonsten wurde das jeweilige Team disqualifiziert.

Die hohe körperliche Belastung sowie die teilweise harten Rempeleien unter den rivalisierenden Teams hatten zur Folge, dass viele Spieler durch Verletzungen oder durch totale Erschöpfung letztendlich den Sport aufgaben. Dies führte zum Ende der ersten Generation des Roller Derbys.

In den frühen 1940er-Jahren schloss Leo A. Seltzer sich mit dem Sportjournalisten Damon Runyon zusammen, um die Sportart zu überarbeiten und neu zu präsentieren. Sie begründeten neue Regeln sowie ein neues Punktesystem und legten den Schwerpunkt auf publikumswirksame Rempeleien und Schubsereien. Diese spektakuläre und rasante Art des Roller Derbys wurde in den darauf folgenden über 40 Jahren in den USA zum Publikumsmagneten. Teams spielten in ausverkauften Stadien vor über 50.000 Fans und wurden als Stars in Funk und Fernsehen gefeiert. Der Sport wurde nur von professionellen Akteuren betrieben, die wie im Wrestling auch abgesprochene, nur scheinbar brutale Aktionen und Handgemenge vorführten.

Anfang der 1970er-Jahre wurde Roller Derby vom Zerfall in viele konkurrierende und verschiedene Derby-Organisationen und -Unternehmen (RollerJam und Rollermania) sowie der Ölkrise, welche die (Reise-)kosten der Teams in die Höhe schnellen ließ, überrollt und verschwand in der Versenkung.

 


Heute

Quelle: Wikipedia

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts fand Roller Derby schließlich auch den Weg aus den USA nach Europa. Im Gegensatz zu den früheren Ligen, in denen die Vermarktung einer Show im Vordergrund gestanden hatte, war diese Neugründung von weiblichen Amateuren dominiert, von denen viele in Verbindung zu Punk-Bewegung und third wave feminism standen. 2004 gründete sich die Organisation Women’s Flat Track Derby Association (WFTDA), in der mittlerweile insgesamt über 14.000 Rollergirls verzeichnet sind.

Im Jahr 2006 wurden die London Rollergirls und das erste deutsche Team gegründet, die Stuttgart Valley Rollergirls. Im Jahr 2007 folgte dann die zweite deutsche Mannschaft, Barock City Roller Derby aus Ludwigsburg. Ein weiteres Jahr später kamen die Berlin Bombshells dazu. Inzwischen sind weitere deutsche Roller Derby Vereine hinzugekommen. In Europa finden sich Vereine in Helsinki, Stockholm, Malmö, Kopenhagen, Aarhus, Amsterdam, Genf, Paris, Wien, Zürich und Luzern. Anfang 2012 waren es an die 200.

Seit 2007 veranstaltet die WFTDA eine jährliche Meisterschaft, bestehend aus vier Vorausscheidungsturnieren und einem Finalturnier. Auch in anderen Ländern wurde die Begeisterung für den Sport nun erstmals geweckt. Weltweit wurden neue Mannschaften und Ligen gebildet. Neben dem klar weiblich dominierten Sport gründen sich auch immer mehr Männerteams. Im Jahr 2007 wurde die  Men's Roller Derby Association (MRDA) gegründet, die im Jahr 2011 zum ersten Mal Meisterschaften ausrichtete.

Der erste Wettkampf in Deutschland fand 2007 in Stuttgart statt: Stuttgart Valley Rollergirlz vs. London Rockin’ Rollers. Im Jahr 2009 folgte der erste innerdeutsche Wettkampf: Berlin Bombshells vs. Nord-Süd-Connection Stuttgart Valley Rollergirlz und Harbor Girls aus Hamburg, Gastgeber war das Berliner Team. Im Juli 2009 fand der erste europäische Wettkampf, „Roll Britannia“, in London statt, bei dem insgesamt zwölf Teams antraten, zehn aus dem Vereinigten Königreich sowie Berlin und Stuttgart. Als erster europäischer Sieger ging das klar überlegene Team "London Brawling" der London Rollergirls aus dem Turnier hervor.

Am 11. Dezember 2010 trafen sich in Berlin die Berlin Bombshells, die Stuttgart Valley Rollergirlz, die Ruhrpott Roller Girls, die Barockcity Rollergirls aus Ludwigsburg und die Hamburger Harbor Girls, um die erste Deutsche Meisterschaft auszuspielen. In einem engen Finale setzten sich die Stuttgart Valley Rollergirlz mit 128:124 gegen die Berlin Bombshells durch.

28.–30. Juni 2013 fand in Stuttgart die erste offizielle Deutsche Meisterschaft statt: 10 Teams traten an, das Finale konnten die Berlin Bombshells mit 243:84 gegen die Stuttgart Valley Roller Girlz für sich entscheiden.

Vom 1. bis 4. Dezember 2011 fand in Toronto die erste Weltmeisterschaft im Roller Derby statt. Es nahmen die Nationalmannschaften von Argentinien, Australien, Brasilien, Deutschland, England,
Finnland,Frankreich, 
IrlandKanadaNeuseelandSchottlandSchweden und den USA teil. Das Finale fand zwischen Kanada und den USA statt, wobei die USA mit 336 zu 33 Punkten gewannen.

Die zweite Welmeisterschaft fand 3 Jahre später vom 04.12. - 07.12.2014 in Dallas statt. Auch zu dieser WM reisten zahlreiche Teams unter Anderem aus Argentinien, Columbien, Deutschland,
England, 
Finnland,Frankreich, IrlandGriechenland, Japan, Süd AfrikaSchottlandSchweden, West Indies und den USA an. Im Finale unterlag Team England gegen die USA 219:105.


Wie?

Quelle: Wikipedia, WFTDA.com

Spielablauf

Gespielt wird in zwei Halbzeiten à 30 Minuten, in denen jeweils so viele maximal zweiminütige „Jams“ gefahren werden wie möglich. Jedes Team besteht aus fünf Personen, die sich gleichzeitig auf dem Track befinden. Je eine Person ist der / die sog. Jammer/in (engl. to jam = „stören“), zu erkennen am Stern auf dem Helm, dessen Aufgabe es ist, durch das Überrunden gegnerischer Spieler*innen Punkte zu erzielen.  Die restlichen vier Spieler*innen des Teams haben als Blocker*in die Aufgabe, sowohl die/den eigene/n Jammer*in zu unterstützen als auch die/den gegnerische/n Jammer*in am Vorankommen zu hindern. Sie bilden zusammen das sogenannte Pack (engl. für Rudel).

Der Beginn eines Jams wird durch einen Pfiff angekündigt, bei dem alle Spieler*innen gleichzeitig starten. Die Jammer*innen starten dabei hinter den Blockern. Sie haben die Aufgabe, sich durch das Pack zu kämpfen. Der/Die Jammer*in, der/die als erste/r ohne unerlaubte Aktionen alle gegnerischen Blocker*innen überholt hat, ist für den Rest des Jams „Lead-Jammer“. Der/Die Lead-Jammer*in kann den aktuellen Jam auch vor Ablauf der zwei Minuten abbrechen, zum eigenen Vorteil abbrechen.

Ab dem zweiten Durchlauf durch das Pack können die Jammer*innen Punkte erzielen. Für jede/n regulär überrundete/n Spieler*in der gegnerischen Mannschaft gibt es einen Punkt. Dies gilt auch für Spieler*innen, die auf der Strafbank sitzen. Der Jam geht so lange, bis der/die Lead-Jammer*in abbricht oder zwei Minuten abgelaufen ist.

Nach jedem Jam können in einer 30-sekündigen Pause Spieler*innen ausgetauscht werden. Der nächste Jam wird ohne Rücksicht auf den Abschluss dieses Vorgangs wieder angepfiffen. Befinden sich bei Anpfiff für ein Team zu wenig Spieler*innen auf dem Track, startet dieses Team unterbesetzt. Befindet sich von einem Team beim Startpfiff niemand auf dem Feld, wird eine Zeitverzögerungsstrafe gegen den Teamcaptain ausgesprochen.


Blocken

Da Roller Derby eine Vollkontaktsportart ist, ist nicht nur das Behindern anderer Spielerinnen durch positionelles Blocken (z.B. Im-Weg-Fahren oder Abdrängen), sondern auch durch direkten Körpereinsatz (z.B. Body-Checks) erlaubt. Dies dient entweder dazu, sich oder anderen Spielerinnen des eigenen Teams durch das Abdrängen oder Zufallbringen gegnerischer Spielerinnen einen positionellen Vorteil zu verschaffen oder gegnerische Spielerinnen am Vorbeikommen zu hindern. Der Einsatz ist jedoch auf bestimmte Körperpartien beschränkt. Hierbei wird zwischen Blocking- und Trefferzonen unterschieden, wobei erstere die Körperpartien bezeichnen, die aktiv für das Blocken eingesetzt werden dürfen. Bei letzteren handelt es sich um die Stellen, an denen gegnerische Spielerinnen geblockt werden dürfen.


Quelle: Wikipedia, wftda

Erlaubte Blocking Zonen

  • Schultern
  • Oberarme
  • Oberkörper inkl. Rücken
  • Oberschenkel

Verbotene Blocking Zonen

  • Unterarme/Hände
  • Kopf
  • Unterschenkel/Füße

Erlaubte Trefferzonen:

  • Schultern
  • Arme und Hände
  • Seiten
  • vorderer Oberkörper
  • Oberschenkel

Verbotene Trefferzonen

  • Kopf
  • Rücken
  • Unterschenkel/Füße

Strafen

Begeht ein/e Spieler*in ein Foul, muss er/sie für 30 Sekunden auf die Strafbank.
Nicht erlaubt sind u. a.:

  • Blocken abseits der dafür erlaubten Körperpartien
  • Überholen anderer Spieler*innen außerhalb der Track-Begrenzungen
  • Blocken, ohne sich im Spiel und innerhalb der dafür erlaubten Bereiche zu befinden
  • absichtliches Zerstören des Packs
  • Gefährdung anderer Spieler*innen

Befindet sich ein/e Spieler*in außerhalb des Tracks, außerhalb der Engagement-Zone, steht (auch innerhalb des Tracks) oder fährt in entgegengesetzter Richtung, darf sie weder blocken noch andere Spielerinnen am Vorbeikommen hindern.

Natürlich gibt es noch viel mehr Regeln und dadurch auch mögliche Strafen, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Für mehr Informationen dazu, besucht doch einfach die WFTDA Webseite.